18.07.2005 20:29

From my Songbook-Die Story zur CD

Seit reichlich zwanzig Jahren ist Ron Spielman unterwegs - als Musiker, Bandleader und Solokünstler. Ganz der Gitarrist der 'alten Schule', lernte er Gitarrespielen und Songwriting live von amerikanischen GIs und ideell von Größen wie Jimi Hendrix, McLaughlin, Cream und Traffic. Mittlerweile ist die Gitarre zu einem Körperteil und das Songwriting zu seiner natürlichen Sprache geworden.

Im Laufe der Jahre ist bei Ron schon einiges an Erfahrung zusammen gekommen. Erste eigene Bands in den Achtzigern, ganz unterschiedliche Projekte in den Neunzigern, aber immer mit dem Herz am Blues und an der Seele. Zu einigem Bekanntheitsgrad verhalf ihm seine Rhythm'n'Blues BigBand Ron Spielman Band, die insgesamt acht Mitglieder hat und mit einer schwer groovenden Bläsersektion ausgerüstet ist. Vier Alben mit dieser Formation, der städtische Kulturförderungspreis der Stadt Schweinfurt und Tourbegegnungen mit der Little River Band, Steve Marriott, Dave Stewart, der Chick Corea Electric Band, Bob Geldof und anderen sorgten für Publicity und eine treue Fangemeinde.

Trotz aller Erfahrung gibt es jedoch auch für Ron Neuland. Und das beschreitet er mit "From My Songbook", einem Album, das irgendwo zwischen Folk und Soul, zwischen Songwriting und Country angesiedelt ist. ?Ein alter Freund von mir, Torsten Krill, hat seit etwa sechs Jahren ein Studio in Stuttgart, in dem er vor allem Jazzbands aufnimmt und produziert. Er will seit Jahren etwas mit mir machen, und vor einigen Monaten rief er mich an und sagte: "Ron, bring ein paar Songs und Deine akustische Gitarre mit ? ich kümmere mich um den Rest."

Gesagt, getan. 15 Songs entstanden in einer mehrwöchigen Session, in der Ron kein anderes Instrument als seine Akustikgitarre und seine uralte, umgebaute Slide-Guitar spielen durfte. Und natürlich singen. In der Tat besorgte Torsten Krill, seines Zeichens ausgebildeter Drummer mit über 40 Veröffentlichungen, alles andere: Slide, Tablas, Fiddle, Rahmentrommel, Harmonium, Streicher und Bläser, Flügel und akustischen Bass. Eben alles, was man für einen akustisch orientierten Hybrid aus Folk, Blues und Country so braucht ? gespielt von hochkarätigen Studiomusikern aus dem In- und Ausland.

Für Ron, der bis dahin als Organisationstalent alles selbst in die Hand nehmen musste, ein völlig neuer Ansatz. "Ich konnte mich vollkommen auf die Songs konzentrieren. Ich konnte mich fließen lassen und musste mich nur darum kümmern, dass meine Gitarre gestimmt ist und meine Stimme gesund bleibt."

Ein weiterer Punkt war die Reduzierung auf das Wesentliche. Krills Ansage war eindeutig: "Spiel Dein Instrument, aber spiel so wenig wie möglich." Dementsprechend hautnah kommen die Songs zum Zuhörer, mit einer Intensität, die zeigt, wie viel wenige Akkorde ausrichten können. Zwei-drei Harmonien, auf denen die warmen Gesangslinien aufgebaut sind, eine verhaltene Instrumentierung und viel Raum für emotionale Nuancen bestimmen den Höreindruck und zeugen zudem von gekonntem und souveränem Songwriting, das kraftvolle Ohrwürmer ebenso zum Tragen bringt wie rätselhafte dunkle Exkurse in die Seele und heitere Betrachtungen.

Die Songs entstanden in den letzten drei Jahren und werden durch eine persönliche Erfahrung zusammengehalten. Es geht um Konflikte und den Ausbruch aus einer Beziehung, an deren Ende schließlich die Besinnung auf die wirklichen Werte im Leben stehen. "Die meisten Songs sind in einer Zeit entstanden, die für mich sehr schwierig war," lässt Ron durchblicken. "Es ist nicht nur ein Album, auf dem ich mich irgendeiner Musikform widmete. Songs zu schreiben war in dieser Situation der einzige Weg, mich mitzuteilen." Das ist glaubhaft, wenn man sich die Songs anhört und auf die Texte achtet, die einen großen Stellenwert auf "From My Songbook" besitzen.

Und noch etwas war für die Entstehung bezeichnend: Der absolute Wille zur künstlerischen Freiheit. "Ich musste mich nach keiner Mode und keinem Stil richten. Wir haben uns gesagt: Dies sind unsere Songs, und die machen wir, ohne auf etwas zu schielen. Selbst beim Mix haben wir auf aufwändige Effekte verzichtet."

Und es ist eine alte Wahrheit, dass dies die Voraussetzungen sind, unter denen die besten Alben entstehen.