jazzthetik rezension über das songbook
Rätseln Sie auch manchmal, womit ein Fernsehsender wie Sat.1 eigentlich seine Existenz legitimiert? Das Programm (Die Mutter des Handymörders) mit seinen stets quietschfidelen Frühstücksfernsehmoderatoren, Telenovelas und Gerichtsshows kann es ja kaum sein, oder?
Nein, Sat.1 bietet Menschen, die privat einen ganz vorzüglichen (Musik )Geschmack besitzen, eine kuschelige Heimstatt, die ihnen wohldotierte Zeit für Hobbys, ach, Obsessionen bietet. So gibt es einen Unterhaltungsredakteur bei Sat. 1, der die Arbeit des in Berlin iebenden Singer/Songwriters Ron Spielman seit Jahr und Tag schätzte, nun aber in seiner Funktion als Redakteur erstmals genügend Power akkumuliert hat, dem wohl eher reglonal bekannten Künstler auf seine Art Anerkennung zu zollen. Kurzum: From My Songbook - erschienen auf dem kleinen, feinen Stuttgarter frimfram-Label des just mit dem aktuellen Landesjazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichneten Schlagzeugers und Musikproduzenten Torsten Krill und erhältlich nur über das Label selbst - wurde kurzerhand zum Plattentipp der Woche.
Das zeitigte Wirkung, Tage später erhielt Krill bereits einen Anruf von amazon, wo es denn, bitteschön, das Album gäbe, die Nachfragen stapelten sich bereits. Das Schönste an dieser Geschichte aber ist: From My Songbook hat diesen Erfolg mehr als verdient. Spielmans Songs sind gut abgehangen, aber luzide, erzählen prägnante Geschichten von Hoffnung, Liebe, Verlust und Tod. Das große Plus des Albums sind aber die von RainerTempel (Streicher) und Ralf Schmid und Sebastian Studnitzky (Bläser) besorgten Arrangements, die das Singer/Songwriter-Genre sprengen. Im Studio hat sich die Creme der reglonalen Jazz-Szene von Ceeile Verny über Markus Bodenseh und Hakim Ludin bis hin zu Dirk Blümiein und Jo Ambros die Klinke in die Hand gegeben, um den Songs das Bett zu bereiten, ihre Qualität subtil unterstreichend.
Spielmans Songs, man hört es deutlich, würden auch mit Gitarre oder Slidegitarre funktionieren, aber so, wie sie auf From My Songbook präsentiert werden, sind sie etwas ganz Besonderes geworden. Wenn Sat.1 jetzt dafür sorgt, dass ein paar Menschen bemerken, was hier im weitgehend Verborgenen blüht.


